Im fachpraktischen Unterricht der Ausbildung zum Notfallsanitäter oder zur Notfallsanitäterin werden klassische, aber auch seltene Einsatzszenarien aus dem Rettungsdienst geübt, welche im Realeinsatz Anwendung finden.
Im vergangenen Turnus lautete unser Thema „Sinnesorgane“: Wir befassten uns mit dem Aufbau und der Funktion von Haut, Ohr und Auge. Ein langweiliges Thema? Auf keinen Fall! Denn wir beschäftigten uns vor allem mit Verletzungen der Sinnesorgane, also mit verschiedenen Wundarten und Augennotfällen. Hierbei unterstützte uns der angehende Arzt Michael Sudau. In tagelanger Vorarbeit organisierten wir einen Fachpraxis-Tag mit drei Stationen, an denen das zuvor in der Theorie vermittelte Wissen in die Praxis umgesetzt wurde. Herr Sudau experimentierte in der heimischen Küche mit Schweinefleisch, Frau Brunne entwarf Fallbeispiele und Frau Lack bestellte beim örtlichen Fischhändler Fischaugen.

An der Station von Herrn Sudau wurden verschiedene Wundarten an Schweinhaut nachgestellt und von den Schülerinnen und Schülern nach ihren Merkmalen beschrieben: Was unterscheidet eine Riss von einer Schnittwunde? Im nächsten Schritt wurde die rettungsdienstliche Relevanz studiert: Wie werden die verschiedenen Wundarten jeweils durch die Rettungskräfte versorgt? Was ist zu beachten und mit welchen Komplikationen ist zu rechnen? Die Ergebnisse wurden in einer Tabelle festgehalten.
Auch an Frau Brunnes Station wurden Verletzungen versorgt: Hier kam reichlich Kunstblut zum Einsatz, es wurden Druckverbände angelegt und Patienten professionell betreut.
Im Chemieraum bei Frau Lack galt es zunächst, sich mit seinem Partner bzw. seiner Partnerin den eigenen Arbeitsplatz einzurichten: Pro Paar gab es ein Sezierset, ein Stück Schweinehaut sowie ein Fischauge. Die Schutzkleidung wurde angelegt und anschließend begannen die Schülerinnen und Schüler damit, ihre Versuchsobjekte mit Säuren und Laugen proaktiv zu schädigen. Wir verwendeten Chemikalien, welche auch in Haushalten vorkommen, etwa Chlor-Reiniger, um einen berufspraktischen Bezug herzustellen.
Am Vortag besprachen wir bereits die Pathophysiologie von unterschiedlichen chemischen Verletzungen, doch die Veränderung an organischem Material zu erleben, ist einfach unschlagbar. So sahen wir deutlich den Unterschied zwischen einer Verätzung mit Säure (welche oberflächliche Verätzungen und eine Hornhauttrübung auslöst) und Lauge (sie dringt schnell in das Gewebe ein und schädigt die tiefer liegenden Strukturen).
Das Feedback der Schüler war durchweg positiv: Lernen in kleinen Gruppen, anschauliches Material und die Möglichkeit, aktiv und praktisch zu lernen, erreichen jeden einzelnen Auszubildenden.
Wir sind vor allem Herrn Sudau sehr dankbar für sein außerordentliches Engagement, seine Energie und Freude an der Vermittlung von Wissen!